13.11.2019: So war´s bei Kandel Erleben - Hinter den Kulissen am 07.11.19

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Am Donnerstag, 7. November 2019 fand zum dritten Mal die Veranstaltung „Kandel Erleben – Hinter den Kulissen“ statt. Nach einer Begrüßung von Stadtbürgermeister Michael Niedermeier ließen sich die anwesenden Personen, darunter auch die Kandler Heimatshoppenmama Sarah Krug (www.instagram.com/familiekrug_heimatshoppen), von vier Kandler Geschäften überraschen.

Mit dabei war Juwelier Pitrov mit Birgit Pitrov und ihren Mitarbeiterinnen, die uns zunächst die Geschichte des Hauses näherbrachte. So war es ab 1885 ein Uhrmachergeschäft geführt von Herrn Thomas, das 1920 an Hellmann abgegeben wurde. 1939 hat es die Tochter mit ihrem Mann übernommen. Sie waren Uhrmacher- und Optikermeister, die irgendwann Schmuck dazu nahmen. Seit 1985 führt Inge Pitrov das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter, Birgit Pitrov, als Juwelier. Während ihres Studiums beschäftigte sich Birgit Pitrov mit Schmuckkunst, wo Schmuckstücke im Rahmen eines Kontextes entwickelt werden. Bspw. erklärte sie die Hintergründe zur Kette, die ihre Diplomarbeit zum Thema Zwischenreich war. Interessant waren u.a. auch Schmuckstücke für Männer, die man zu einem funktionierenden Kompass oder einem Kreisel verändern kann oder Sami Armbänder aus Zinnsilberfäden. „Für manche ist Schmuck lediglich schöne Deko, andere schätzen Material oder Design. Wir versuchen Stücke zu finden, die perfekt sind und für sich wirken“, so Birgit Pitrov. 

Tatjana Schwarz-Kehr stellte das Familienunternehmen Friseursalon Zimmer vor. Ururopa und Uropa waren schon Barbiere, die von Haus zu Haus zogen. Nach dem zweiten Weltkrieg wollte der Opa sesshaft werden und erwarb das jetzige Haus, das früher lediglich Wohnhaus war. Die Front des Hauses durfte nicht verändert werden. Als der Opa trotzdem Meisel und Pickel verwendete, um Hausfront nach seinen Vorstellungen zu gestalten, musste er 300 Mark Strafe bezahlen. Dieser bauliche Eingriff ist bis heute sichtbar. Die Trennung von Damen- und Herrenbereich wurde 1980 mit Übernahme von Tochter Ruth Zimmer als Friseurmeisterin aufgegeben und mit Enkelin Tatjana Schwarz-Kehr ebenso Friseurmeisterin 2011 wiedereingeführt, die heute das Unternehmen leitet. „Ich bin heilfroh, dass meine Mama mich bis heute unterstützt, denn es ist eine große Verantwortung, die man trägt“, so Tatjana Schwarz-Kehr und verdeutlicht damit, wie wichtig der familiäre Zusammenhalt vieler Unternehmen ist.

Marion und Guido Pausch stellten Bücher Pausch vor. Ein Geschäft, das sich über Generationen immer wieder im Sortiment verändert hat. Bilder von früher zeigen, dass bei Pausch einstmals Kinderwägen verkauft wurden. Sie hingen zum Anpreisen außen an der Hauswand. Der Opa war Puppendoktor. Guido Pausch erinnert sich an Entdeckungen auf dem Speicher, wo er Glasaugen für die Puppen fand. Guido Pausch übernahm 1990 das Geschäft, wo er nun 10% Schreibwaren und den Rest Bücher vertreibt. Auch wenn er nicht alle Bücher hat, so kann er über Nacht beim Großhändler bestellen. Der Auslieferer hat einen Schlüssel, wo er die bestellten Bücher nachts in den Laden bringt. Übrigens kosten Bücher aufgrund der Buchpreisbindung ob Internet oder Einzelhandel überall das gleiche. Das Ehepaar liest nie dasselbe Buch, bis auf eines, das ihr Leben verändert hat. Wen es interessiert, was für ein Buch es ist, einfach mal vorbeikommen und nachfragen. Immer mehr Kinder, vor allem Mädchen lesen. Kennen Sie Antolin, die Initiative zur Leseförderung? Hier können Kinder Bücher online bewerten, einen Abriss über ihr Buch schreiben, wodurch sie Punkte erhalten. Ein Anreizsystem, das das Lesen fördert.

Zum Abschluss trafen sich alle im Restaurant La Taverna bei Paula Pisano im Rathauskeller. Sie berichtete, dass sie im La Taverna bei ihrem Onkel arbeitete, der aus gesundheitlichen Gründen das Restaurant an Paula Pisano und ihren Partner abgab, als sie gerade 20 Jahre alt war. Mittlerweile führt sie das Unternehmen allein, sie ist die Köchin. Es wird alles frisch zubereitet, alle Nudelteige erstellt sie selbst. Bereits als Kind half sie ihrer Mutter in der Küche, die Chefköchin war. Das Kochen liegt demnach im Blut. Das Familienleben spielt sich aufgrund der Arbeitszeiten im Restaurant ab. Ihre Kinder kommen nach der Schule zum Essen vorbei. Die kommenden Herausforderungen sieht sie im Personalbereich. Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden. Für Kandel ist La Taverna mit Paula Pisano und ihrem Team ein wichtiger Treffpunkt, der nicht nur dem Bauch guttut.

Mit interessanten Eindrücken und vielen Gastgebergeschenken sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Hause gegangen. "Wieder einmal wurde deutlich, was Kandel in seiner Innenstadt alles zu bieten hat. Es wurde schnell bewusst, was es bedeutet ein Geschäft zu führen, also was hinter den Kulissen zu tun ist, verbunden mit all den Chancen, Möglichkeiten, aber auch Risiken und Herausforderungen. Wer für eine starke und belebte Innenstadt steht, der sollte diese Tour "Hinter den Kulissen" auf jeden Fall mitmachen", erklärt Stadtbürgermeister Michael Niedermeier. "Wir werden dieses Format kommendes Jahr alle drei Monate anbieten“, so Michaela Stöhr vom Verein für Handel und Gewerbe und Citymanagerin Jennifer Tschirner.

"Ich danke gemeinsam mit der Citymanagerin und dem VHG den teilnehmenden Geschäften Juwelier Pitrov, Friseursalon Zimmer, Bücher Pausch und La Taverna", so Bürgermeister Niedermeier, der damit einhergehend auch den interessierten Besucherinnen und Besuchern dankte. "Besonderer Dank gilt jedoch dem Engagement von Jennifer Tschirner und Michaela Stöhr!"