Buch- und Medientipps





Eine freundliche Empfehlung der Stadtbücherei


Buchtipps

Ausleihbar ab Freitag, den 20. September 2019

„Das wilde Leben der Cheri Matzner“ von Tracy Barone

Sommer 1962: Der wohlhabende Radiologe Solomon Matzner und seine italienische Frau freuen sich auf ihr Kind. Da erleidet Cici eine Fehlgeburt, die sie so verstört zurücklässt, dass Sol sich nicht anders zu helfen weiß, als hinter ihrem Rücken schnellstens ein Ersatzkind zu adoptieren: Cheri. Doch die kleine Cheri erfüllt nicht die in sie gesetzten Erwartungen; sie ist rebellisch und wild, fühlt sich wie ein Fremdkörper in der Familie und in dem ruhigen Vorort der Privilegierten.

Chicago, 40 Jahre später: Nach einem tragisch gescheiterten Intermezzo als Polizistin ist Cheri jetzt Professorin für Orientalistik und steckt in einer tiefen Krise; unangepasst wie eh und je eckt sie bei der Arbeit an und setzt damit ihre Karriere aufs Spiel, zudem liegt die Ehe mit ihrem Mann Michael in Scherben ...

Der breit angelegte Debütroman über eine beschädigte Familie und eine unkonventionelle Frau auf der Suche nach Identität und Wurzeln erinnert etwas an die Bücher von John Irving; komplex, zeitlich vor- und zurückspringend, voller Wärme und spannend, mit schrägen Figuren, kurz: gute Unterhaltung mit Niveau!

„Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead

Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Was ihm dort widerfährt, ist symptomatisch für die Brutalität der weißen, rassistischen amerikanischen Gesellschaft in den 1960er-Jahren. Die schwarzen Insassen der Erziehungsanstalt werden durch schlechteres Essen, schlechtere Kleidung, schlechteren Unterricht noch mehr gemaßregelt als die weißen, vor allem aber durch Auspeitschen drangsaliert. Sexueller Missbrauch ist auch die Regel. Es kommt sogar Mord an ihnen vor. Elwood gerät durch seine immer noch lebendigen Ideale ins Visier der korrupten, gewalttätigen Aufseher.

Erneut bringt der amerikanische Autor C. Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit.

„Die Geschichte der schweigenden Frauen“ von Bina Shah

Ein verheerender Atomkrieg und ein nur für Frauen tödliches Virus haben die Welt verwüstet und zu einem Ungleichgewicht der Geschlechter geführt. Green City, Hauptstadt der Region Subwestasien, hat sich zu einem technokratischen Polizeistaat entwickelt, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Obrigkeit degradiert die wenigen verbliebenen Frauen zu Gebärmaschinen, die mehrere Ehemänner haben müssen, um möglichst effizient für Nachwuchs zu sorgen.

Doch es gibt Frauen, die Widerstand leisten, Frauen, die sich im Untergrund zu einem Kollektiv zusammengeschlossen haben, Frauen, die sich weigern, Teil dieses Systems zu sein. Sie finden in der Panah, einer geheimen Untergrundkommune, einen Zufluchtsort. Nachts verlassen die Rebellinnen ihr Versteck und bieten reichen und mächtigen Männer der Regierung einen höchst illegalen Dienst feil - etwas, das sich niemand erkaufen kann und was in Green City von Grund auf unterdrückt wird: sie bieten Intimität, menschliche Wärme, ohne Sex.

Diese Dystopie der pakistanischen Autorin ist eine moderne Parabel über das Leben von Frauen in repressiven Ländern überall auf der Welt.

- Eine freundliche Empfehlung der Stadtbücherei –