Medientipps

Eine freundliche Empfehlung der Stadtbücherei

Ausleihbar ab Freitag, den 04. Dezember 2020
Ausleihbar ab Freitag, den 27. November 2020

„Die Erfindung des Countdowns“
von Daniel Mellem
1 mp3-CD; ungekürzte Lesung mit Sebastian Rudolph

Siebenbürgen, 1920: Hermann Oberth hat den Traum, eine Mondrakete zu bauen. Dafür geht er nach Göttingen, um Physik zu studieren. Als der Durchbruch zum Greifen nah ist, wird er von seinen Professoren fallen gelassen. Doch dann glaubt jemand an Hermanns Forschung: Wernher von Braun, Mitglied der SS. Statt der Mondrakete soll Hermann die V2 mitentwickeln, die sogenannte »Vergeltungswaffe« der Nazis. Mit voller Wucht stellt sich ihm und auch seiner Frau Tilla die Frage nach der eigenen Verantwortung vor der Geschichte, die immer von Menschen gemacht wird. Umso mehr, als sie zwei ihrer Kinder an den Krieg verlieren…

Eindringlich und klar liest Sebastian Rudolph diesen gründlich recherchierten und flüssig erzählten Debütroman über das ganz und gar unwahrscheinliche und doch wahre Leben des Physikers Hermann Oberth.


 „Marigold Töchter“ von Julia Woolf
2 mp3-CDs; ungekürzte Lesung mit Cathlen Gawlich

Marigolds Familie muss überraschend eng zusammenrücken, als die älteste Tochter Daisy bei ihnen unterschlüpft. Dabei ist das kleine Haus schon recht voll, wohnt doch die jüngere Tochter noch bei ihnen und auch Großmutter Nan. Aber Marigold macht alles für ihre Familie, sie kümmert sich gerne und will das Glück, das sie empfindet, weitergeben. Sowieso halten auf dem Dorf alle zusammen, und in Marigolds kleinem Lädchen versuchen die Nachbarn, für die großstädtische Daisy einen Job und einen neuen Mann zu finden. Mit – nun ja - durchaus interessanten Vorschlägen. Vielleicht erkennt die Familie deshalb nur langsam, dass es Marigold immer schlechter geht. Die Diagnose "fortschreitende Demenz" reißt ihnen dann den Boden unter den Füßen weg…

Dank des besonderen Timbres von Cathlen Gawlich wird dieser tiefgründige Familienroman zu einem Hörgenuss für lange Herbstabende.


 „Die Pianistin“ von Beate Rygiert
1 mp3-CD; gekürzte Lesung mit Tessa Mittelstaedt

Leipzig, 1835: Die sechzehnjährige Pianistin Clara spielt vor ausverkauften Häusern. Fünf Monate lang ist sie mit ihrem Vater auf Tournee. Was wie ein harmonisches Miteinander wirkt, ist in Wirklichkeit die reinste Hölle. Die beiden sind heillos zerstritten. Der Grund: Clara ist verliebt. Ihr Vater ist dagegen, dass sie sich jetzt schon bindet. Und schon gar nicht an diesen zwar hochbegabten, aber absolut lebensuntüchtigen Robert Schumann. Doch Clara, die nicht nur die musikalische Begabung, sondern auch den Eigensinn ihres Vaters geerbt hat, wehrt sich und kämpft für ihre Liebe.

Tessa Mittelstaedt liest mit viel Einfühlungsvermögen diesen unterhaltsamen Roman über eine faszinierende Künstlerin und ihre Zeit.






„Brandsätze“ von Steph Cha

Als die Polizei einen unbewaffneten schwarzen Teenager erschießt, brechen in Los Angeles Unruhen aus, die Erinnerungen an den Fall Rodney King wachrufen. Inmitten dieser aufgeheizten Atmosphäre müssen sich zwei Familien ihrer Vergangenheit stellen. Grace Park, 27, arbeitet in der familieneigenen Apotheke, ihre aus Korea eingewanderten Eltern haben ihr immer ein behütetes Leben geboten. Doch dann erfährt Grace, dass ihre Mutter vor dreißig Jahren Ava Matthews erschoss - sie hatte die junge Schwarze fälschlicherweise für eine Ladendiebin gehalten und kam vor Gericht mit einem sehr milden Urteil davon. Shawn Matthews, Avas Bruder, versucht die Geister der Vergangenheit hinter sich zu lassen, doch die aktuellen Ereignisse brechen auch bei ihm alte Wunden auf. Da erschüttert ein weiteres schockierendes Verbrechen die beiden Familien…

Spannender, auf wahren Begebenheiten beruhender hochaktueller Roman um Polizeigewalt, Rassismus und den amerikanischen Albtraum.


„Jahresringe“ von Andreas Wagner

Heimat, das ist für Leonore Klimkeit vor allem der Wald nahe des kleinen Dorfes, in dem die aus Ostpreußen Vertriebene Zuflucht gefunden hat. Die hohen Bäume schenken ihr Trost und neuen Lebensmut. Doch als Leonores Sohn Paul zwölf Jahre alt ist, muss der Wald dem Braunkohle-Tagebau weichen, das Dorf wird umgesiedelt. In einer Neubausiedlung am Rand der Kreisstadt versucht Leonore, für Paul und später die Enkel Jan und Sarah eine neue Heimat zu schaffen. Die immer weiter fortschreitende Rodung des Waldes treibt jedoch einen tiefen Keil in die Familie - bis sich die Geschwister schließlich als Gegner gegenüberstehen: Denn während Jan einen der gigantischen Schaufelradbagger des Braunkohle-Konzerns steuert, schließt sich seine Schwester Sarah den Wald-Besetzern im Hambacher Forst an.

Unaufgeregt und einfühlsam erzählt Andreas Wagner eine berührende Familien-Geschichte, die immer wieder die Frage stellt, was Heimat bedeutet. Gleichzeitig porträtiert sein Roman auf anschauliche Weise die Nachkriegs- und Wirtschaftswunder-Zeit in Deutschland, die Folgen des Braunkohle-Abbaus nicht nur für die Landschaft und die Ereignisse rund um den Hambacher Forst.


„Die Spur des Schweigens“ von Amelie Fried

Journalistin Julia schlägt sich mühsam als freie Schreiberin durch und träumt von der großen, investigativen Story. Sie erhält einen Hinweis auf mögliche sexuelle Übergriffe in einem renommierten Forschungsinstitut. Der Me-too-Debatte überdrüssig, geht sie dem Verdacht zunächst nur halbherzig nach. Als sich aber die erste Betroffene bei ihr meldet und Julia den attraktiven Hauptverdächtigen kennenlernt, ist ihr Reporterinnen-Instinkt geweckt. Am Institut stößt sie auf ein gefährliches Gemisch aus Machtmissbrauch, Schweigen und Vertuschung - und auf eine schockierende Verbindung zu ihrem Bruder Robert, der zwölf Jahre zuvor spurlos in Skandinavien verschwunden ist. Plötzlich muss Julia sich unangenehme Fragen stellen: Was hat Robert mit dem Selbstmord einer chinesischen Doktorandin zu tun? Warum wurde seine Leiche nie gefunden? Abgründe tun sich auf.

Spannender, realistischer und psychologisch stimmiger Roman zu einem aktuellen Themenkomplex.